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Gestern abend bin ich auf eine Seite gestossen, die Auszüge eines Interviews des Focus mit Bill Gates zeigt. Was ich dort las, konnte ich nicht so richtig glauben. Aber das Interview findet sich im Online-Archiv des Focus und dort kann man wirklich nachlesen, welche Mentalität bei Microsoft herrscht.

Das Interview ist vom Oktober 1995, also schon sehr alt, allerdings scheint sich seit dem nicht viel in Microsofts Denkweise (oder der von Bill Gates, falls da überhaupt ein Unterschied sein sollte) geändert zu haben.

Im Folgenden interessante Auszüge aus diesem Interview. Wer will, kann das ganze beim Focus direkt nachlesen.


FOCUS: Andy Grove sagte kürzlich, Intel statte seine Mikroprozessoren mit mehr Leistung aus nach dem Prinzip: „Sie brauchen es nicht, Sie benutzen es nicht, aber Sie bekommen es trotzdem.“ Gilt das nicht für die gesamte Branche?

Gates: Man kauft eine Maschine nur, wenn man die entsprechenden Features haben will.

FOCUS: Tatsache ist aber doch: Wenn man eine neue Version eines Programms kauft, um Fehler einer alten Version auszumerzen, bekommt man zwangsläufig mehr Features und braucht mehr Speicherplatz.

Gates: Wir haben eine starke Konkurrenz und produzieren nur Produkte, von denen wir glauben, daß sie sich verkaufen. Neue Versionen sind nicht dazu da, Fehler zu beheben. Ich habe noch nie einen so abwegigen Grund gehört, eine neue Version auf den Markt zu bringen.

FOCUS: Es gibt immer Fehler in Programmen.

Gates: Nein. Es gibt keine bedeutenden Fehler in unserer Software, die eine nennenswerte Anzahl von Benutzern behoben haben möchte.

FOCUS: Ach was. Ich werde immer wahnsinnig, wenn mein Macintosh Word 5.1 die Seitenzahlen unter meinen Texten verschwinden läßt.

Gates: Vielleicht machen Sie einen Fehler, haben Sie jemals daran gedacht? Es zeigt sich oft, daß Maschinenstürmer nicht mit Software umgehen können. Wir bauen neue Features ein, weil wir darum gebeten werden. Niemand würde wegen Fehlern in der alten Version eine neue kaufen.

FOCUS: Wenn ich eine Hotline oder einen Händler anrufe und mich über das Problem beklage, bekomme ich zu hören: „Besorgen Sie sich das Update zur Version 6.“ Jeder macht diese Erfahrung. So funktioniert das System.

Gates: Wir geben 500 Millionen Dollar im Jahr für Telefonberatung aus. Weniger als ein Prozent der Anrufe, die wir bekommen, hat mit Fehlern in der Software zu tun. Die meisten wollen Ratschläge haben. Sie können sich gern mal hinsetzen und sich die Millionen von Anrufen anhören. Sie müßten wochenlang warten, bis sich mal jemand über einen Fehler beschwert.

FOCUS: Woher kommt dann dieses allgemeine Gefühl der Frustration, das die PC-Benutzer vereint? Jeder wird täglich damit konfrontiert, daß die Dinger nicht so funktionieren, wie sie sollen.

Gates: Das ist cooles Gerede, nach dem Motto: „Ja, ja, diesen Fehler kenne ich auch schon.“ Ich verstehe das als soziologisches Phänomen, nicht als technisches.


Sehr interessant. Daraus ziehen wir also folgende Schlussfolgerungen über Microsoft und seine Programme:
  • * Fehlerberichte sind unwichtig
  • * Wer sich über einen Fehler aufregt, ist generell in der Minderheit
  • * Wer einen Fehler findet, benutzt die Software falsch
  • * Wer über Fehler redet, will nur zeigen, wie cool er ist

Und da soll man sogar drüber nachdenken, Windows Server-Versionen zu verwenden und sowas seine Daten anzuvertrauen? *schüttel*

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Kommentare

  1. Kommentar 1 von Michael am 07.08.2008 um 11:43 Uhr (Permalink):
    Wahnsinnig arrogant, der Typ!

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