Im Heimnetzwerk gibt es bei uns einige Systeme, teilweise Windows, teilweise Linux. Schon immer gibt es in dieser Situation das Bedürfnis nach einem Fileserver zur zentralen Speicherung von Dateien. Einige Zeit hatte ich einen kleinen Rechner aus älteren Teilen zusammengezimmert, der als Fileserver diente. Lief auch fantastisch, aber zum Einen war die Lautstärke des Geräts nicht gerade prickelnd und zum Anderen ist natürlich der Stromverbrauch eines normalen PCs für so etwas simples wie einen Dateiserver, der zwangsläufig eh die meiste Zeit im Leerlauf verbringt, total überdimensioniert.
Aber für den Bastler gibts eine Lösung:
Linksys NSLU2 - das kleine Gerät kostet grad mal um die 85.- €. Innen werkelt ein
ARM-Prozessor mit 266 MHz. 32 MB RAM sind verbaut. Das Teil ist lüfterlos und somit nicht hörbar. Und das Beste ist, dass dieses Gerät wenig Strom braucht (ca. 20 Watt unter Vollast). Laufwerke werden ausschließlich über die 2 verbauten USB-Ports angeschlossen, d.h. hier muss eine externe USB-Platte oder ein USB-Stick zum Einsatz kommen.
Vom Hersteller Linksys wird das Gerät mit einem "Mini-Linux" ausgeliefert, das relativ einfach über ein Webinterface konfiguriert kann. Das heißt, eine Platte anschließen, Freigaben konfigurieren und schon ist das Ganze im Netz verfügbar. (Somit können auch Nicht-Bastler damit glücklich werden!)
Aber mit dieser Lösung habe ich mich nicht lange aufgehalten, denn die findige Linux-Gemeinde hat schon lange herausgefunden, wie auf dem Gerät ein normales Debian Linux installiert werden kann. Und wenn erstmal ein Debian werkelt, besteht folglich auch der Zugriff auf alle Pakete. Somit kann aus dem Gerät nicht nur ein Fileserver, sondern auch ein Web- oder Mail-Server werden - oder was auch immer gebraucht wird.
Wie solch ein Debian-System installiert wird, ist wunderbar auf der Seite
www.nslu2-linux.org beschrieben (
Installationsanleitung). Die Installation dauerte saftige 5 Stunden, allerdings vor allem durch die Formatierung der Platte. Da ich hier nicht kleckern, sondern klotzen wollte, habe ich an das Gerät die USB-Platte
Buffalo DriveStation mit 1 TB angeschlossen. Platz ohne Ende. (Auch diese Platte hat einen sehr geringen Stromverbrauch, nur 10 Watt beim Lesen und Schreiben.)
Beim Flashen mit dem Debian-Boot-Image kam allerdings eine Fehlermeldung, dass kein Speicherplatz zur Verfügung stehen würde. Das lag daran, dass auf dieser Platte schon eine FAT32-Partition vom Hersteller vorkonfiguriert war. Über das NSLU2 konnte ich die Platte nicht neu formatieren lassen. Erst nachdem ich die Platte an einen PC angeschlossen und darüber besagte FAT32-Partition gelöscht hatte, funktionierte das Formatieren der Platte über den NSLU2. Danach funktionierte auch das Flashen (später bei der Debian-Installation kann die Platte dann nach eigenen Wünschen neu partioniert werden).
Während der Debian-Installation gab es keinerlei Probleme. Alles lief sauber durch. Nach ca. 5 Stunden werkelte ein aktuelles Debian Lenny auf dem System:
bheil@bheil-NSLU2:~$ uname -a
Linux bheil-NSLU2 2.6.26-1-ixp4xx #1 Sun Nov 9 07:52:17 UTC 2008 armv5tel GNU/Linux
Das Einrichten von Samba und dessen Konfiguration unterscheidet sich dann überhaupt nicht mehr von einem "großen" Rechner. Bisher läuft das System leise und stabil vor sich hin.
Es gibt nur einen einzigen Nachteil: Man bekommt auf diesen Weg [b]keinen[/b] High-Performance-Server. Schon mit einfachen Dateioperationen über Samba geht die Systemauslastung gut in die Höhe. Für ein Firmennetzwerk kaum zu gebrauchen, aber zu Hause stört das kaum.
Von mir 5 von 5 Sterne für diese geniale, günstige und effektive Lösung.