OOXML hat die Schlacht um Dokumentenformate verloren


Eine freudige News gibts heut zu lesen: Microsoft-Manager: OOXML hat die Schlacht um Dokumentenformate verloren. Anscheinend ändert man bei Microsoft die Strategie bezüglich des eigenen Formats OOXML zu Gunsten von ODF und integriert ODF sogar in Microsoft Office.

Die Beschwerden einiger Länder bei der ISO haben also nicht nur dazu geführt, dass das Standadisierungsverfahren erstmal eingefroren wurde, sondern nun bekommt auch Microsoft (öffentlich) kalte Füsse. Interessant ist allerdings in diesem Punkt, dass diese Beschwerden von Ländern eingereicht wurden, die (noch) keine Technologienationen sind, nämlich Brasilien, Indien, Südafrika und Venezula. Warum die meisten Staaten in Europa und die USA damals Microsofts OOXML ohne Zaudern bei der ISO-Abstimmung abgenickt haben, das wäre mal eine Untersuchung wert. (Und warum über die ganze Sache keine der Mainstream-Medien berichtet hat, wäre auch eine Frage wert - immerhin betrifft diese Entwicklung fast jeden, der einen Computer bei der Arbeit verwendet, in irgendeiner Form.)

Hoffen wir, dass Microsoft nicht versucht, von innen heraus aus ODF doch wieder ein proprietäres Format zu machen, wie sie das schon in anderen Fällen erfolgreich versucht haben. Aber vielleicht ist das ein richtiger Schritt in eine unabhängigere Zukunft. Doch bevor man nun jubelt - obgleich dies eine wahrlich erfreuliche Nachricht ist - sollte man erstmal die Umsetzung in MS Office selbst abwarten und schauen, ob Microsoft wirklich hält, was sie da versprochen haben.

Außenministerium will kein OOXML


Bei so einer Meldung kommt richtig Freude auf: Das Außenministerium verzichtet auch weiterhin auf OOXML, berichtet Golem. Gott sei Dank gibts dort Leute, die sich wirklich mit dem Thema befassen. Im Artikel sind die zwei wichtigsten Kritikpunkte wunderbar aufgezählt:

"Das Auswärtige Amt werde OOXML so lange nicht einsetzen, bis es unabhängig von der Plattform verfügbar sei [...]" "Auch müsse sich der ISO-Standard einheitlich umsetzen lassen, es könne nicht sein, dass nur Teilmengen oder aber mehr als im Standard beschrieben, von einer Software unterstützt wird."

Was vielleicht fehlt, ist das zwangsläufige "Vendor-Lock-In"-Problem durch die Bindung an MS Office und Windows - aber das ist eigentlich ja nur eine Folge der beiden obigen Punkte.

Abstimmungen bei der ISO


Abstimmungen bei der ISO Bild von noooxml.org

OOXML ist also ein ISO-Standard


Sorry, aber das stinkt. OOXML hat keinen relevanten Vorteil vor ODF. ODF gibts schon seit über einem Jahr und funktioniert. OpenOffice.org, Abiword, K-Office und sogar MS Office (mit Plugins von Sun) unterstützen ODF. Also freie Wahl für den Nutzer. Und was unterstützt OOXML? Microsoft Office 2007. Wow! Wahnsinn!

Das ganze riecht gewaltig danach, das hier nicht alles mit rechten Dingen zuging. Wer - außer MS - soll denn jemals eine 6000-seitige Spezifikation umsetzen und dabei 100% kompatibel bleiben, wenns bei der Abstimmung selbst noch offene technische Fragen zum "Standard" gibt? Selbst Microsoft wird das nicht genau so umsetzen. Das Format von Office 2007 muss ja auch angepasst werden, um dem ISO-"Standard" zu entsprechen, der nun verabschiedet wurde. Hier wird ein Monopol geschützt - nicht mehr und nicht weniger.

Tja, und was bleibt? Boykott von OOXML! Jedenfalls ist das das Resultat für mich.
Aber das dürfte im Großen so laufen, wie es immer bei solchen Dingen läuft: Dem normalen Benutzer ists egal, er speichert, was als Standardformat vorbelegt ist - und da der PC-Käufer Vista mit MS Office aufgezwungen bekommt, nimmt er auch OOXML und am Ende setzt sich das wieder durch. Na, das hat uns ja weitergebracht, gell?

Interessant hierzu auch, was Mark Shuttleworth dazu gesagt hat.